Wer setzt Kindern noch Grenzen…. (ein Gastbeitrag von Anja Harnisch)

17. February 2017
….. Titel der gestrigen ZEIT.
Schon seit Wochen spreche ich mit meiner Mama darüber, dass ich gerne einen Gastpost über den Erziehungsstil vieler Mütter schreiben möchte und dann flattert heute morgen die aktuelle Ausgabe der ZEIT ins Haus mit dem Titel * Wer setzt Kindern noch Grenzen?* 
Ha! dachte ich und machte mich gleich ans Werk, denn dieser Post geht mir seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf und das Thema erst recht nicht ;))
Aber vorweg, bevor ihr euch alle fragt, was hier denn los ist…. :))  Ich bin Anja, die älteste Tochter von Christel, wohne in München und habe auf Lehramt studiert, arbeite aber nun in Vollzeit als Tagespflegerin, auch bekannt als Tagesmutter 🙂
Ich arbeite für zwei tolle Familien und wir sind uns über den Erziehungsstil einig, was eine der wichtigsten Voraussetzungen bei meiner Arbeit ist. Aber tagtäglich beobachte ich Szenarien, sei es auf dem Spielplatz, in der Musikstunde oder auf der Straße, die mir die Haare zu Berge stehen lassen.
Was ist da eigentlich passiert, frage ich mich. Wann haben Eltern aufgehört, Erziehungsberechtigte zu sein und wollen stattdessen einen auf *besten Kumpel* machen? 
Der autoritäre Erziehungsstil ist auf dem Rückzug, berechtigterweise….. Kinder schlagen, harte Strafen aussprechen und einen auf Diktator im Haus machen, das geht definitiv zu weit. Doch man kann auch streng sein ohne gleich autoritär zu sein. Streng ist vielleicht das falsche Wort…. ich würde eher sagen……  konsequent bleiben und dem Kind klare Grenzen setzen!
Die Zeit fragt zu Recht: * Haben wir es zu weit getrieben mit der Abschaffung der Autorität?*

Ein Beispiel wird genannt aus einer Arztpraxis…. der Doktor erzählt im Interview, dass es in den letzten Jahren vermehrt dazu kommt, dass die Kinder auf den Regalen trommeln, Dinge durch den Raum werfen, Bücher zerstören und sich völlig daneben benehmen. Die Eltern, erzählt er, stehen hilflos daneben und wissen nicht, was sie tun sollen. 
Kein Einzelfall, auch ich beobachte tagtäglich solche Szenarien. Die Kinder tanzen den Eltern auf der Nase herum und das Schlimmste, die Eltern lassen es mit sich machen. Vielleicht weil sie Angst haben, wie die eigenen Eltern zu klingen.

Beispiel Musikstunde

Ein Beispiel…. einmal die Woche gehe ich mit den beiden Kleinen, 2 1/2 Jahre alt, in die Musikstunde. Man singt und springt durch den Raum und versucht den Kindern spielerisch kleine Reime und einzelne Lieder näher zu bringen. Doch es gibt immer ein bis zwei Kandidaten, die einfach nicht mitmachen wollen. Das ist auch an sich überhaupt kein Problem, wenn sie sich normal verhalten. Stattdessen turnen sie vor den Augen der Mütter auf den Fensterbänken herum, stören den Ablauf und benehmen sich komplett daneben. Den Müttern sieht man die Überforderung ins Gesicht geschrieben, mit leisem *Bitte Daniel ( nennen wir ihn mal so….) komm doch da herunter* oder * Daniel, das finde ich wirklich nicht in Ordnung* versuchen sie die Kinder dazu zu bewegen, wieder mitzumachen. Die Kinder machen jedoch weiter und die Mütter sitzen da und starren Löcher in die Luft. Da bestimmen die Sprößlinge die Spielregeln und das ist nicht richtig!
Manchmal frage ich mich, warum man nicht einfach kurz die Stimme erhebt und signalisiert, junger Mann, wenn du jetzt nicht damit aufhörst, müssen wir leider gehen, denn du störst mit deinem verhalten den Ablauf und das geht so nicht. Man muss sicherlich nicht schreien, aber man kann mit seiner Stimme sehr viel ausrichten.
 

Kuschelpädagogik auf dem Spielplatz

Auf dem Spielplatz jeden Tag das Gleiche.  Mütter, die überbesorgt ihren Kindern hinterherrennen und jeden Schritt überwachen. Es könnte ja sein, sie fallen hin…. Man kann nicht jeden Schritt überwachen, und nicht alles vorausplanen, was passieren könnte, doch man sollte eingreifen und vor allem durchgreifen, wenn das Kind agressiv gegen andere Kinder ist.
Beispiel…. Maria beißt Lena in den Unterarm, weil Lena auf dem Platz steht, auf dem Maria gerne auf die Schaukel warten möchte, beide Mütter stehen daneben. Was würdet ihr tun? Ich würde Maria zur Seite ziehen und ihr kurz mal deutlich klar machen, dass das so nicht geht und sollte es nochmals passieren, wir nach Hause gehen würden. Sie müsste sich bei Lena entschuldigen. Eigentlich klar…. Grenzen setzen und konsequent bleiben.
Diese Mutter hingegen hat erstmal gar nichts gemacht. Nachdem Maria wiederholt zugebissen hat, fragt sie ganz nett * Warum machst du denn sowas Maria? Wir beißen nicht* und wendet sich wieder von ihr ab. Naja, was soll ich sagen…tadaa…Maria hat natürlich nicht aufgehört, warum auch…. Am Ende wurde sie immer wieder von der Mutter gefragt, warum sie das denn mache , es wurde gedroht den Spielplatz zu verlassen, doch Konsequenzen folgten keine. Maria hat dabei sicherlich viel gelernt, nämlich, dass Beißen zwar nicht ok ist, aber so schlimm auch wieder nicht. Der Tag auf dem Spielplatz war vielleicht kurz etwas gefährdet, aber Mama fand es dann doch nicht soo schlimm und beim nächsten Mal bekomme ich eventuell noch ein Eis. Einfach weil ich es kann!
Warum können sich Eltern nicht mehr durchsetzen und strahlen manchmal so wenig Autorität aus? Natürlich ist das auch ein gesellschaftliches Problem. Alles wird teurer und in den meisten Fällen sind beide Eltern gezwungen arbeiten zu gehen. Wenn die Mutter nach einem Arbeitstag um 16 Uhr ihr Kind abholt, hat sie vielleicht nicht mehr die Kraft konsequent zu bleiben oder möglicherweise ein schlechtes Gewissen, weil das Kind so lange ohne sie war. 
Ein anderes Problem sind die Ansprüche an sich selbst….. Ich habe das Gefühl die Eltern wollen immer alles perfekt machen und setzen sich dabei unter Druck. Sie wissen oft nicht, wie eine gute Reaktion aussähe. Es gibt viel zu viele Erziehungsratgeber, für jeden Pups gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse und jeder Autor verspricht dir das Blaue vom Himmel. Theoretisch  hat man am Ende ein Kind, welches nicht nur ab der 3. Woche durchschläft, sich ab dem 6. Monat ohne weiteres abstillen lässt und danach jeden Brei isst, der natürlich BIO, Fairtrade und nur von den glücklichsten Karotten kommt ;), sondern sich auch noch tadellos benehmen und überhaupt mit drei schon alles kann…..  Wenn es doch nur so einfach wäre 🙂
Man kann nicht immer alles richtig machen und man kann vor allem seinem Kind nicht immer gerecht werden, aber es wirft einem das nicht vor. Es will einfach nur Kind sein und muss sich auch mal über Regeln und Grenzen ärgern, denn Streit ist wichtig und passiert in jeder Familie. Kinder müssen lernen, dass sie manches einfach nicht machen dürfen und dass man sich an Regeln halten muss. Konsequent sein und manchmal etwas lauter werden heißt nicht, dass man autoritär ist. Später kann das Kind auch nicht vor seinem Lehrer oder Arbeitgeber rumhüpfen und weinen, weil es nicht die Eins bekommen hat oder die Gehaltserhöhung. Ein bisschen streng sein schadet nie, das kann ich heute auch von mir behaupten 🙂 und so ein Trotzanfall geht auch wieder vorbei, auch im Supermarkt…. Ich kann euch sagen, die anderen schauen nur deshalb so blöd, weil sie gespannt sind, wie man die Situation löst. Denn fast jeder hat die Situation an der Kasse schon mal durchlebt 😉 
Konsequent bleiben…. dann ist der Anfall beim nächsten Mal vielleicht schon nicht mehr so schlimm und beim nächsten Mal noch etwas weniger…..
Ui, jetzt habe ich aber ein Fass aufgemacht! ;)) Wenn es euch interessiert, gibt es vielleicht noch einen Post über Helikoptereltern und das Verhältnis Lehrer- Eltern. da gibt es noch einiges zu berichten
Bis dahin lasst es euch gut gehen!
Anja
Keine Angst, dies wird kein Erziehungsratgeberblog…. lach… ich bin mal gespannt, was du dazu sagst…. Morgen kommen meine Freitagsblümchen ♥ Hab noch einen schönen Tag, drück dich lieb ♥♥♥
Pomponetti

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