Fotografieren mit Gegenlicht

27. November 2016
Da habe ich mich jetzt gestern aber in etwas hineinmanövriert ;)) Nicole hat mich folgendes gefragt *Wie bekommst Du eigentlich so schöne Bilder hin, wenn Du gegen das Fenster fotografierst? Hast Du da einen Trick?*
…und ich so ganz lapidar… *soll ich da mal einen Post dazu machen?* 
Jetzt ist das ja immer so eine Sache…. ich bin ziemlich fortgeschritten, was die Fotografie anbelangt, habe eine Vollformatkamera, die ich dazu noch ganz speziell auf meine Bedürfnisse eingestellt habe und die ich zudem fast ausschließlich im manuellen Modus bediene. Das heißt ich stelle alles selbst ein, Blende, Verschlusszeit, die ich nach der Belichtung einstelle. Nur so bekomme ich die Bilder, wie ihr sie hier seht. Klar bearbeite ich sie danach noch in Lightroom, aber das meiste passiert bei mir in der Kamera und nicht im Bearbeitungsprogramm. 

Fotografieren mit Gegenlicht……

……..und nichts anderes ist es, wenn man gegen das Fenster fotografiert. Das schwierigste Problem beim Fotografieren im Gegenlicht ist genau der
Grund, aus dem immer gesagt wird, man sollte es einfach lassen. Durch
das starke Licht aus dem Hintergrund ist es nämlich besonders schwer,
dass Hinter- und Vordergrund gleich gut erkennbar sind.
Die Kamera orientiert sich am hellsten Bereich und versucht diesen
optimal zu belichten. Optimale Belichtung ist für eine Kamera ein 18%iges grau und somit die
Basis für die Belichtungsmessung. Das bedeutet, dass weiß abgedunkelt
und schwarz aufgehellt wird, um diesen 18%igen Grauton zu erreichen. Dadurch werden die dunkleren Bereiche , also das Zimmer im Vordergrund viel zu dunkel abgebildet. Ich habe dir mal eine Reihe mit verschiedenen Einstellungen gemacht, alle vom (fast) selben Standpunkt und mit der gleichen Blende. Alle Bilder sind natürlich unbearbeitet und kamen genauso aus der Kamera…..

1. Vollautomatik. So fotografiert die Kamera….. Ich habe allein die Blende eingestellt und auf die Blumen fokussiert. Man sieht, dass dasZimmer und vor allem das Motiv sehr dunkel sind
2. Blendenautomatik AV mit Belichtungskorrektur +1
Dies können sowohl gute Kompaktkameras als auch Spiegelreflex-Kameras.
Meistens in Form eines kleinen Knopfes mit einem +/- Zeichen, kann man
die Belichtungskorrektur nutzen, um ein Foto absichtlich heller oder
dunkler zu belichten. Um den Vordergrund heller zu bekommen, kann man
also die Belichtung ein oder zwei Stufen höher stellen. Folge ist
allerdings natürlich auch, dass die helleren Bereiche noch heller
werden. Hier muss man sich vorher überlegen, welcher Teil des Bildes
einem wichtiger ist. Blende ist die gleiche wie bei Nr 1, nämlich 2,8…… also Offenblende.
3. Manueller Modus mit der Mehrfeld- oder Matrixmessung.
Bei der Mehrfeldmessung wählt die Kamera die Belichtung automatisch. Sie
greift dabei auf Messwerte in verschiedenen Zonen des Bildes, aber auch
auf viele Vergleichswerte vorangegangener Bilder zurück. In der Regel kann man mit dieser Messmethode gute Ergebnisse erzielen, sie kann in
extremen Situationen aber auch stark daneben liegen. Beispielsweise bei
hohen Kontrasten oder Gegenlichtaufnahmen wie hier. Ich verwende sie eigentlich nie, weil ich nicht will, dass die Kamera für mich entscheidet.
4 und 5. Manueller Modus mit der Spotmessung.
4. Einfach ganz normal auf das Motiv fokussiert und abgedrückt, doch was sonst funktioniert, funktioniert in dieser Gegenlichtsituation eben auch nicht. Belichtungstechnisch wird bei der Spotmessung nur ein sehr begrenzter Bereich zur Messung herangezogen, wogegen bei der Mehrfeldmessung mehrere messungen vorgenommen werden und dann der Mittelwert gebildet wird.
Wie du wahrscheinlich unschwer erkennen kannst ist Nr 5 meine Methode. Ich mache eine Spotmessung auf den dunklen Bildbereich, speichere diesen Belichtungswert und fokussiere mit diesen Einstellungen neu.
Bei vielen Automatikkameras wird in solchen Situation gegen das Licht übrigens automatisch geblitzt… doch ich selbst fotografiere nur mit available Light, dh mit dem Licht welches mir natürlicherweise zur Verfügung steht. Wenn es gar nicht anders geht, verwende ich eine zusätzliche Tageslichtlampe, aber nie einen Blitz!
Jetzt kann ich dich natürlich verstehen, wenn du Bauchweh hast vor dem Fotografieren im manuellen Modus, denn es gehört natürlich viel Erfahrung dazu und du hast sicherlich mehr Ausschuss als sonst  wenn du halt mal wieder vergisst deine Einstellungen zu ändern ;)). Beim manuellen Modus musst du auch deine Kamera ziemlich gut kennen, das Zusammenspiel Blende, Verschlusszeit, Belichtung durchschauen und wissen, was du damit erreichen willst.
Blöd ich habe aber keine Erfahrung, sagst du vielleicht…. vielleicht probierst du es dann mit der Blendenautomatik, bei Canon AV und stellst einfach die Belichtungskorrektur höher, also noch höher wie hier im Beispiel… etwa auf +2…… dann wird zwar auch dein heller Bildbereich heller, aber ich selbst, die liebend gerne sehr hell fotografiert, finde es zum Beispel überhaupt nicht schlimm, wenn unwichtige Bereiche überstrahlen.
Als nächstes wäre dann noch die Bildbearbeitung zu nennen, mit der man auch einiges aus einem Bild herausholen kann, vor allem in Lightroom, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Ist daran jemand interessiert?  Wenn ja mache ich dazu noch ein Extratutorial…… 

Drei Büchertips

Wen es interessiert, für den habe ich noch drei tolle Bücher als Tip….

Für alle Anfänger richtig genial und sehr gut erklärt!! Fotos nach Rezept: Schritt für Schritt zum perfekten Foto von Benjamin Jaworskyj
Die folgenden zwei Bücher habe ich selbst, zwar noch nicht ganz durch, aber ich bin jetzt schon absolut begeistert!

Perfekte Fotos mit System: Der Praxisleitfaden für Einsteiger und Fortgeschrittene von Roberto Valenzuela
Und vom gleichen Autor ……Perfektes Licht mit System: Ein Praxisleitfaden für Fotografen
Puh ganz schön Fachsimpelei heute….. sorry, wenn du vielleicht nur Bahnhof verstanden hast. Aber vielleicht habe ich ja den ein oder anderen inspiriert einfach mal was neues zu wagen 🙂 Morgen gibt es dafür zwei leckere Rezepte!! ♥ Hab noch einen gemütlichen 1. Adventabend!! 
Drück dich lieb ♥♥♥
verlinkt bei Sundayinspiration
Pomponetti

All posts

15 Comments

  • Nicole B. 27. November 2016 at 17:45

    Liebe Christel,
    ich werde es morgen direkt mal ausprobieren.
    Bisher muss ich gestehen, mache ich alles in AV und stelle kaum was um.
    Das wird sich dann mal ändern.
    Danke für den ausführlichen Post und die Bücher werde ich mir mal genauer anschauen.
    Lieben Gruß, Nicole

  • doros kinderreich 27. November 2016 at 18:48

    Liebe Christel!
    Vielen Dank für die Ausführungen. Ich fotografiere zwar nicht im Automatikmodus, aber auch noch nicht ganz manuell. Das werde ich nun mal ausprobieren.
    Liebe Grüße
    Doro

  • Kerstin 27. November 2016 at 19:06

    Liebe Christel,

    das fand ich jetzt wirklich toll, dass Du Dir soviel Mühe gemacht hast und uns dies so ausführlich erklärt hast. Mich hat das auch sehr interessiert, denn ich bekomme nämlich mit meiner Canon auch keine Fensterfotos hin. Nun werde ich auch ein bisschen herumprobieren vielleicht klappt es dann besser. Einen schönen ersten Adventssonntagabend.

    Liebe Grüße
    Kerstin

  • Frauke 27. November 2016 at 20:03

    Liebe Christel,
    vielen Dank für die ausführliche Anletung, auch wenn ich ab etwa der Hälfte zu den "Bahnhof Versteh Leuten" gehöre. Seufsz!
    Da werde ich mich wohl mal mit den von Dir vorgeschlagenen Büchern befassen (müssen). Auch dafür vielen Dank. Ich habe mir gerade eine neue Kmera gegönnt, und ärgere mich speziell heute darüber, dass alle Bilder irgendwie blau geworden sind. Auch nicht toll. Aber ich werde schon dahinter kommen.
    Dir noch einen schönen Abend.
    Ganz liebe Grüße
    Frauke von Lüttes Blog

    • Pomponetti 27. November 2016 at 20:57

      Hallo liebe Frauke,
      Hast du schon deinen Weißabgleich kontrolliert wegen des Blaustichs?
      Ganz liebe Grüße
      Christel

  • seaside-cottage 27. November 2016 at 20:31

    Liebe Christel! Deinen Post habe ich mir jetzt mal abgespeichert und werde ihn mir demnächst in Ruhe zu Gemüte führen �� Ich hatte nämlich vor kurzem genau dieses Gegenlichtproblem und ich hab mich auch gefragt, was ich machen kann, um ein vernünftiges Foto zu bekommen. Danke für deinen Post.
    Lg. Beate

  • shabbylinas welt 27. November 2016 at 20:35

    Liebe Christel,
    vielen Dank für diese ausführliche Erklärung. AV +Aufhellung benutze ich eigentlich gaaanz oft.
    Vom Buch Fotos nach Rezept habe ich schon viel Gutes gehört. Jetzt kommt es auf meine Weihnachtswunsch-Liste. Da werde ich meiner Kamera jetzt mal endlich zu Leibe rücken- lach.

    Glg und einen guten Start in die neue Woche
    Nicole

  • Eclectic Hamilton 27. November 2016 at 21:40

    Danke für die schöne Anleitung! Ich fotografiere auch noch im Automatik-Modus und habe irgendwie keine Lust mich ins Thema zu fuchsen … leider!

    Ganz liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche
    Ines

  • Astrid Ka 27. November 2016 at 22:18

    Weißt du, wie viele solcher Fotobücher hier herumliegen? Für mich ist das einfach nicht der richtige Weg…
    Aber trotzdem vielen Dank für deine Erklärungen!
    Herzlichst
    Astrid

  • Die Gartenbotschafterin 28. November 2016 at 4:46

    Liebe Christel, ich komm wohl heute abend noch mal her um Deine Worte genau zu studieren. Aber schon mal vielen herzlichen Dank für Deinen tollen Beitrag,
    LG Sabine

  • Petra Wollenberg 28. November 2016 at 7:33

    Nachdem ich kürzlich einen Einsteigerkurs für DSLR gemacht habe, habe ich ein klein bisschen mehr als Bahnhof verstanden, liebe Christel ;-). Auf jeden Fall hast Du es super erklärt. Ach ja wenn die liebe Zeit nicht wäre, hätte ich auch Lust mich mehr mit dem Fotografieren zu beschäftigen. Letztendlich zählt hier wirklich nur Ausprobieren und Erfahrung. Wünsche Dir einen guten Start in die Woche.
    Liebste Grüße von Petra ♥

  • Wolfgang 28. November 2016 at 13:05

    Liebe Christel,
    das ist ein sehr schöner Artikel, der manuelle Modus ist ja mein Fernziel und deswegen bin ich immer Dankbar, wenn mir jemand ein Wenig der Kamerageheimnisse erklärt.
    Experimentiert habe ich schon damit und es ist erstaunlich wie unterschiedlich die Bilder, abhängig von den Einstellungen, werden. Man kann es ja auch an Deiner Bilderreihe sehen. Und man braucht wirklich eine Menge Erfahrung. Alle Bilder, die ich bis jetzt manuell geschossen habe, habe ich auch wieder gelöscht.

    Viele liebe Grüße und einen wundervollen Advent wünscht
    Wolfgang

  • Schwarzwaldmaidli 28. November 2016 at 14:20

    Danke für diesen Beitrag.
    In letzter Zeit wird mir immer öfters bewusst, wie ich das Erlernte aus dem Fotokurs vergesse. Und dann drehe ich an den Knöpfen, zig Bilder sind schon gemacht und dennoch bin ich unzufrieden. Wenn ich mal wieder mehr Zeit habe, werde ich wohl das Buch von Benjamin lesen.
    Liebe Grüße
    Anette

  • Karen Heyer 29. November 2016 at 13:16

    Liebe Christel,
    danke für die tolle Beispielreihe und Deine Erklärungen! Ich fotografiere eigentlich viel im manuellen Modus aber mit dieser Art Gegenlichtfotos hatte ich mich noch nie beschäftigt. Werde mal Nummer 5 ausprobieren 🙂
    Liebe Grüße von Karen

  • Elke Voß 28. August 2017 at 5:48

    Liebe Christel,

    ich bin gerade in der Arbeit und bin durch das Sonntagsglück auf deinen Blog aufmerksam geworden. Das werde ich mir heute Abend in Ruhe durchlesen. Vielen lieben Dank. Ich fotografiere ähm nein, "knipse" schon seit meinem 9 Lebensjahr und das mit Leidenschaft. Aber in den letzten zwei Jahren hat es bei mir Klick gemacht und es soll jetzt endlich mal so werden, wie ich es mir im Kopf vorstelle. Weisst Du was ich meine 🙂 Danke für diesen tollen Artikel. Lightroom habe ich auch, aber leider habe ich mich damit noch nicht richtig befasst. Da werde ich mir deinen Artikel auch noch durchlesen.

    Danke

    Liebe Grüße aus Stukenbrock

    Elke von http://elke.works

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